Technik & Installation · 2026-07-09

Mid-Span-Zugang (Mid-Cut) bei LWL-Glasfaserkabeln: Profi-Anleitung für Techniker

Mid-Span-Zugang bei LWL-Kabeln Schritt für Schritt: Werkzeug, Ablauf, Fehlerquellen und Sicherheit – Profi-Anleitung für Glasfaser- und Netzwerktechniker im FTTH- und Backbone-Ausbau.

Beim Ausbau von FTTH- und Backbone-Netzen kommt man an einem Punkt nicht vorbei: Es muss eine einzelne Faser aus einem durchgehenden LWL-Kabel abgezweigt werden – ohne die übrigen Fasern zu unterbrechen. Genau dafür gibt es den **Mid-Span-Zugang**, umgangssprachlich auch **Mid-Cut** genannt. In diesem Beitrag zeige ich den kompletten Ablauf, das benötigte Werkzeug und die häufigsten Fehlerquellen aus meiner Installationspraxis.

Was ist ein Mid-Span-Zugang?

Ein Mid-Span-Zugang bezeichnet das gezielte Öffnen eines Glasfaserkabels an einer beliebigen Stelle **zwischen den beiden Kabelenden**, um einzelne Fasern herauszuführen und zu spleißen. Im Gegensatz zum klassischen Muffenspleiß, bei dem das gesamte Kabel aufgetrennt und jede Faser neu verbunden wird, bleiben beim Mid-Span-Verfahren alle nicht benötigten Fasern durchgehend und mechanisch unangetastet.

In der Praxis wird diese Technik vor allem bei Verteilnetzen eingesetzt: Ein Backbone-Kabel verläuft durch mehrere Ortschaften oder Gebäude, und an einzelnen Punkten sollen nur ein oder zwei Fasern für einen Teilnehmer oder eine Liegenschaft abgezweigt werden – der Rest des Netzes soll dabei nicht beeinträchtigt werden.

Mid-Span vs. klassischer Muffenspleiß im Vergleich

Benötigtes Werkzeug und Material

  • **Mid-Span-Access-Kit** (herstellerspezifisch, passend zum Kabeltyp) – im Video verwende ich den Miller MSAT 5 Mid-Span Access Tool, der Standard für saubere Mantel- und Pufferröhrchen-Öffnung.
  • **Ringschneider bzw. Kabelmesser** für den Außenmantel – ich arbeite mit dem Jokari Kabelmesser, präzise Schnitttiefe ohne Faserverletzung.
  • **Pufferröhrchen-Öffner** für den mittigen Zugriff (Bestandteil des Miller MSAT 5).
  • **Fusionsspleißgerät** mit passendem Justierprogramm für die Faserart – für den Alltag nutze ich ein kernzentrierendes Fusionsspleißgerät mit automatischer Faserausrichtung.
  • **Faserabisolierzange und Präzisions-Faserschneider (Cleaver)** – im LWL-Werkzeugset sind Cleaver, 3-Loch-Absetzzange, VFL und Reinigungsmaterial in einem Koffer enthalten.
  • Isopropanolgetränkte Reinigungstücher (99,9 % IPA, fusselfrei).
  • Spleißschutzhülsen (Heat-Shrink-Protektoren).
  • Mid-Span-Spleißmuffe mit passender Kassettenaufnahme.
  • OTDR-Messgerät und optisches Leistungsmessgerät.
  • Wickelband, Schrumpfschlauch, Zugentlastungsmaterial.

Praxis-Tipp zur Ausrüstung

Für Mid-Span-Arbeiten empfiehlt sich ein Fusionsspleißgerät mit **automatischer Faserausrichtung**, da die Fasern an der Zugangsstelle oft weniger Reservelänge haben als bei klassischen Muffenspleißungen. Ein kompaktes, akkubetriebenes OTDR ist für die Vor-Ort-Kontrolle unverzichtbar.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Zugangsstelle planen und markieren

Anhand von Muffenplan, Faserbelegungstabelle und Trassendokumentation die exakte Position für den Mid-Span-Zugang festlegen. Auf ausreichend Kabelreserve für Handling und spätere Nachspleißungen achten.

2. Kabelmantel öffnen

Mit dem Jokari Kabelmesser bzw. Ringschneider den Außenmantel auf der markierten Länge kreisförmig einschneiden, anschließend längs öffnen. Die Schnitttiefe so wählen, dass die inneren Pufferröhrchen nicht beschädigt werden.

3. Zentralelement freilegen und fixieren

Verstärkungselement (Central Strength Member) und Pufferröhrchen freilegen. Für die weiteren Schritte die Kabelstelle mechanisch fixieren, damit keine Zugspannung auf die Fasern wirkt.

4. Pufferröhrchen mittig öffnen

Mit dem Miller MSAT 5 Mid-Span-Öffner das betreffende Röhrchen an der markierten Stelle öffnen. Hierbei ist besondere Vorsicht geboten, da ein zu enger Biegeradius die Fasern dauerhaft dämpft oder bricht.

5. Zielfaser identifizieren und isolieren

Anhand der Farbcodierung nach TIA/EIA-598 bzw. herstellerspezifischer Kennzeichnung die benötigte(n) Faser(n) identifizieren und vorsichtig vom Faserbündel trennen. Alle übrigen Fasern bleiben unberührt im Röhrchen liegen.

6. Faser herausführen und spleißen

Die Zielfaser mit ausreichender Reserveschlaufe (mindestens **60–80 cm empfohlen**) herausführen, mit der 3-Loch-Absetzzange aus dem LWL-Werkzeugset abisolieren, reinigen und mit dem Fusionsspleißgerät mit der Anschlussfaser verbinden.

7. Spleißstelle schützen

Die Spleißstelle mit einer Schutzhülse sichern und in der Spleißkassette der Mid-Span-Muffe fachgerecht ablegen. Auf sauberen Biegeradius innerhalb der Kassette achten.

8. Kabel wieder verschließen

Den geöffneten Kabelmantel mit Wickelband und Schrumpfschlauch wieder verschließen. Zugentlastung anbringen, damit mechanische Belastung nicht auf die Spleißstelle wirkt.

9. Messung und Dokumentation

Dämpfung mit OTDR und optischem Leistungsmessgerät in beide Richtungen prüfen. Messwerte, Faserzuordnung und GPS-Position der Zugangsstelle dokumentieren.

Häufige Fehler in der Praxis

  • **Zu enger Biegeradius**: Der häufigste Grund für erhöhte Dämpfung oder Faserbruch beim Mid-Span-Zugang. Der minimale Biegeradius laut Kabelspezifikation darf auch temporär während der Arbeiten nicht unterschritten werden.
  • **Fehlende Reserveschlaufe**: Wird zu wenig Faserreserve herausgeführt, sind spätere Nacharbeiten oder Umspleißungen praktisch unmöglich, ohne die Zugangsstelle erneut zu öffnen.
  • **Unzureichender Wiederverschluss**: Feuchtigkeitseintritt durch mangelhaft verschlossene Kabelmäntel ist eine der Hauptursachen für spätere Netzausfälle an Mid-Span-Stellen.

**Sicherheitshinweis:** Beim Spleißen entstehen scharfkantige Glassplitter – Handschuhe und eine geeignete Ablagefläche für Faserreste sind Pflicht. Zusätzlich darf **niemals in ein Faserende geblickt werden**, das potenziell mit einer aktiven Lichtquelle verbunden ist, auch nicht kurz. Vor Arbeitsbeginn immer prüfen, ob die betreffende Faser bzw. das Kabel aktiv geschaltet ist.

Wann Mid-Span-Arbeiten an Profis vergeben werden sollten

Mid-Span-Zugänge gehören zu den anspruchsvolleren Tätigkeiten im Glasfaserausbau, da Fehler nicht nur die neue Faser, sondern potenziell das gesamte durchgehende Kabel beeinträchtigen können. Für Betriebe und Liegenschaften, die eine zuverlässige Anbindung – etwa für IP-Kamerasysteme oder Netzwerkinfrastruktur über größere Distanzen – benötigen, lohnt sich die Beauftragung eines erfahrenen Fachbetriebs.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Mid-Span-Zugang und klassischem Muffenspleiß?

Beim klassischen Muffenspleiß wird das gesamte Kabel aufgetrennt und jede Faser neu verbunden. Beim Mid-Span-Zugang wird nur die benötigte Faser an einer Stelle in der Kabelmitte herausgeführt, während alle anderen Fasern durchgehend bleiben.

Wann lohnt sich ein Mid-Span-Zugang?

Vor allem bei Backbone- und Verteilkabeln, wenn nur wenige Fasern an einer Stelle abgezweigt werden sollen und die übrigen Fasern für andere Teilnehmer ohne Unterbrechung weiterlaufen müssen – etwa bei FTTH-Verteilnetzen.

Welche Ausbildung braucht man für Mid-Span-Spleißarbeiten?

Eine Grundausbildung als Glasfasertechniker sowie praktische Erfahrung mit Fusionsspleißgeräten und OTDR-Messtechnik. Herstellerschulungen zu Mid-Span-Access-Kits sind empfehlenswert, da sich die Technik je nach Kabeltyp unterscheidet.

Welche Risiken bestehen bei fehlerhaftem Mid-Span-Zugang?

Mikrobiegungen der Nachbarfasern, Feuchtigkeitseintritt durch unzureichend verschlossene Kabelmäntel und erhöhte Dämpfungswerte durch zu kleinen Biegeradius. Eine sorgfältige Messung nach Abschluss ist daher unerlässlich.

Welches Werkzeug ist für den Mid-Span-Zugang unverzichtbar?

Ein spezielles Mid-Span-Access-Kit wie der Miller MSAT 5, ein präziser Ringschneider bzw. Jokari-Kabelmesser für den Außenmantel, ein LWL-Werkzeugset mit Cleaver und 3-Loch-Absetzzange sowie ein Fusionsspleißgerät mit automatischer Faserausrichtung. Ohne diese vier Komponenten ist ein sauberer Mid-Cut nicht möglich.