
Welcher PoE-Switch für 4, 8 oder 16 Kameras? Ports nach echter Topologie zählen, PoE-Budget mit Maximalwerten rechnen – mit drei Aufbauten, Rechenbeispielen und dem Hinweis, warum TL-SG2218 und TL-SG3428X keine PoE-Switches sind.
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Welcher PoE-Switch reicht für meine Kameras? 5, 8, 16 oder 24 Ports? Diese Frage bekomme ich regelmäßig. Die ehrliche Antwort: Das hängt weniger von der Kamerazahl allein ab als vom Aufbau – wo der NVR hängt, wo der Router hängt und wie viel Leistung die Kameras im ungünstigsten Fall ziehen.
Eine Korrektur vorweg: Eine frühere Fassung dieses Artikels hat den TP-Link TL-SG2218 und den TL-SG3428X in einer Reihe mit PoE-Switches verglichen. Beide haben kein PoE. Sie können als zentrale Netzwerk-Switches sinnvoll sein, versorgen aber keine Kamera mit Strom. Ich stelle sie deshalb unten getrennt dar.
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Zwei Grenzen: Ports und PoE-Budget
Jeder PoE-Switch hat zwei Limits: die Zahl der PoE-fähigen Ports und das gesamte PoE-Budget in Watt. Ein 8-Port-Switch mit 62 W Budget kann nicht acht Kameras mit je 15 W versorgen, auch wenn genug Ports frei sind. Rechnen Sie immer mit der maximalen Leistungsaufnahme laut Datenblatt – also nachts mit IR und im Winter mit Heizung.
Dazu kommt ein Detail, das oft übersehen wird: Manche Switches reservieren das Budget nach der PoE-Klasse der Kamera (Klasse 3 = 15,4 W, Klasse 4 = 30 W am Switch-Port) und nicht nach dem tatsächlichen Verbrauch. Wie Ihr Gerät das handhabt, steht im Handbuch. Den Bedarf rechnen Sie am schnellsten mit dem PoE-Rechner aus.
Drei Topologien – und wer welchen Port belegt
Ein Router oder NVR belegt nur dann einen Port an Ihrem PoE-Switch, wenn er dort tatsächlich angeschlossen ist. Eine pauschale Regel wie „immer zwei Ports abziehen“ stimmt deshalb nicht. Die drei häufigsten Aufbauten:
Topologie A: Kameras am externen PoE-Switch
Kameras → PoE-Switch → ein Kabel zum Router. Der NVR hängt entweder ebenfalls am Switch (dann belegt er einen Port) oder direkt am Router (dann nicht). Belegt sind am Switch also: alle Kameras + 1 Uplink + gegebenenfalls 1 NVR.
Topologie B: Kameras direkt am PoE-NVR
Viele NVRs haben eigene PoE-Ports. Die Kameras hängen direkt am NVR, der NVR geht mit einem Kabel zum Router. Ein separater PoE-Switch ist dann gar nicht nötig – bis die PoE-Ports oder das PoE-Budget des NVR ausgeschöpft sind. Prüfen Sie dafür das Datenblatt des NVR.
Topologie C: mehrere Switches mit separatem Uplink
Zwei oder mehr PoE-Switches versorgen Kamera-Gruppen, zum Beispiel vorne und hinten am Gebäude. Jeder PoE-Switch hat einen Uplink zu einem zentralen Switch, an dem auch NVR und Router hängen. Pro PoE-Switch geht ein Port für den Uplink verloren, NVR und Router belegen Ports am zentralen Switch. Hier kann ein Managed Switch ohne PoE wie der TL-SG2218 als Zentrale sinnvoll sein.
5 Ports: Netgear GS305EP

- Ports: 4 × PoE+ (IEEE 802.3at) + 1 × Gigabit ohne PoE
- PoE-Budget: laut Netgear 63 W gesamt
- Verwaltung: Smart Managed Plus (VLAN, QoS, PoE-Zeitplan)
- Lüfterloses Metallgehäuse
In Topologie A mit NVR am Router passen vier Kameras an die PoE-Ports, Port 5 ist der Uplink. Hängt der NVR ebenfalls am Switch, bleiben drei Kameras.
8 Ports: Netgear GS308EP

- Ports: 8 × Gigabit, alle PoE+ (IEEE 802.3at)
- PoE-Budget: laut Netgear 62 W gesamt – acht Ports mit je 30 W wären 240 W
- Verwaltung: Smart Managed Plus (VLAN, QoS, PoE-Zeitplan)
- Lüfterloses Metallgehäuse
Bei diesem Gerät ist meist das Budget die Grenze, nicht die Portzahl. Mehr dazu und ein Rechenbeispiel mit sieben Kameras: Budget-PoE-Switches für Videoüberwachung.
16 und 24 Ports: echte PoE-Switches
Für mehr Kameras brauchen Sie einen Switch mit entsprechend vielen PoE-Ports und ausreichend Budget. Beispiele aus dem Sortiment von TP-Link, die laut Hersteller PoE+ bieten:
- TP-Link TL-SG1218MP: 16 × Gigabit PoE+ plus 2 Combo-/SFP-Ports, laut TP-Link 250 W Budget
- TP-Link TL-SG1428PE: 24 × Gigabit PoE+ plus 4 weitere Ports, laut TP-Link 250 W Budget
Ich nenne diese Modelle als Orientierung für die Geräteklasse. Prüfen Sie vor dem Kauf das Datenblatt der aktuellen Hardwareversion – insbesondere Budget, Lüfter (Geräte dieser Leistungsklasse haben häufig einen) und ob alle oder nur ein Teil der Ports PoE liefern. Bei manchen 16-Port-Modellen sind nur acht Ports PoE-fähig.
Rechenbeispiele: 4, 8 und 16 Kameras
Alle Werte sind Annahmen für das Beispiel. Setzen Sie für Ihre Planung die Maximalwerte Ihrer Kameras ein. Reserve jeweils 25 %.
Das 16-Kamera-Beispiel zeigt, warum Reserve wichtig ist: Ein 24-Port-Switch mit 250 W wäre rechnerisch knapp und bei Reservierung nach Klasse sogar zu klein. In solchen Fällen teile ich die Kameras lieber auf zwei Switches auf oder hänge die PTZ-Kameras an eigene Injektoren.
Zentrale Switches ohne PoE: TL-SG2218 und TL-SG3428X

Der TL-SG2218 hat 16 Gigabit-Ports und 2 SFP-Slots, VLAN, QoS und IGMP Snooping und lässt sich über Omada verwalten. Er liefert keinen Strom an die Ports. In Topologie C ist er die Zentrale: NVR, Router, Glasfaser zum Nebengebäude und die Uplinks der PoE-Switches hängen an ihm.

Der TL-SG3428X hat 24 Gigabit-Ports und vier 10-Gigabit-SFP+-Slots. Er ist für größere Anlagen interessant, in denen mehrere PoE-Switches über schnelle Uplinks zusammenlaufen oder ein Server per 10G angebunden wird. Auch er hat kein PoE.
Meine Erfahrungen mit dem TL-SG2218 stehen in TP-Link TL-SG2218 für Videoüberwachung.
Vergleich der PoE-Switches
Die TP-Link-Angaben bitte vor dem Kauf mit dem Datenblatt der aktuellen Hardwareversion abgleichen.
Managed, VLAN und IGMP: wann sinnvoll?
- VLAN: sinnvoll, wenn Kameras vom übrigen Netz getrennt werden sollen – etwa wenn Kameras keinen Internetzugang haben sollen oder viele Geräte im Netz hängen. Für eine kleine Hausanlage mit NVR ist es eine gute Ergänzung, aber keine Pflicht.
- IGMP Snooping: wichtig, wenn Kameras oder Software Multicast nutzen. Viele Heimanlagen arbeiten mit Unicast; dann bringt IGMP wenig.
- QoS: hilft, wenn dasselbe Netz auch große Datenmengen wie Backups transportiert.
- Unmanaged: für eine überschaubare Anlage mit getrenntem Kameranetz oder NVR mit eigenen PoE-Ports oft völlig ausreichend.
Mehr zur Absicherung: Cybersecurity bei Überwachungskameras.
Häufige Fehler
- Nur Ports gezählt, nicht das Budget
- Mit Tageswerten statt Maximalwerten gerechnet
- Einen Managed Switch ohne PoE für einen PoE-Switch gehalten
- Keine Reserve für spätere Kameras
- Lange Leitungen mit Cat5e oder CCA-Kabel – siehe Cat7 Outdoor-Verkabelung
Fernzugriff: Der NVR braucht einen Weg zum Router
Damit die App von unterwegs funktioniert, muss der NVR mit dem Router verbunden sein – direkt oder über einen Switch. Wo er hängt, entscheidet, welcher Switch einen Port dafür braucht. Die Einrichtung beschreibe ich in Fernzugriff auf Überwachungskameras per Smartphone.
Fazit
Zählen Sie Ports nach Ihrer tatsächlichen Topologie und rechnen Sie das Budget mit Maximalwerten plus Reserve. Für kleine Anlagen reichen GS305EP oder GS308EP, wenn das Budget passt. Ab acht Kameras mit Heizung brauchen Sie einen Switch mit deutlich mehr Watt. TL-SG2218 und TL-SG3428X sind gute zentrale Switches, aber keine PoE-Switches. Rechnen Sie Ihre Anlage mit dem PoE-Rechner durch.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Kameras passen an einen 5-Port-PoE-Switch wie den GS305EP?+
Er hat vier PoE+-Ports. Hängt der NVR am Router, passen vier Kameras, Port 5 ist der Uplink. Hängt der NVR am Switch, bleiben drei Kameras.
Ist der TP-Link TL-SG2218 ein PoE-Switch?+
Nein. Der TL-SG2218 ist ein Managed Gigabit-Switch mit 16 Ports und 2 SFP-Slots ohne PoE. Er eignet sich als zentraler Switch für NVR, Router und Uplinks.
Ist der TP-Link TL-SG3428X ein PoE-Switch?+
Nein. Er hat 24 Gigabit-Ports und vier 10G-SFP+-Slots, aber kein PoE.
Reicht ein 8-Port-PoE-Switch für acht Kameras?+
Meist nicht: Ein Port wird für den Uplink gebraucht, und das Budget ist oft die Grenze. Acht Kameras mit Heizung brauchen rund 104 W plus Reserve – ein Switch mit 62 W reicht dafür nicht.
Muss der NVR an den PoE-Switch?+
Nein. Er kann auch am Router oder an einem zentralen Switch hängen. Wichtig ist, dass NVR und Kameras im selben Netz sind und der NVR einen Weg zum Router hat.
Brauche ich einen Managed Switch für Kameras?+
Nicht zwingend. VLANs sind sinnvoll, wenn Kameras vom übrigen Netz getrennt werden sollen. Kleine Anlagen laufen auch mit Unmanaged-Switches zuverlässig.
Was ist der Unterschied zwischen PoE, PoE+ und PoE++?+
PoE (802.3af) liefert bis 15,4 W am Switch-Port, PoE+ (802.3at) bis 30 W, PoE++ (802.3bt) bis 60 W (Typ 3) bzw. 90 W (Typ 4).



