PoE-Rechner für IP-Kameras
PoE-Bedarf, Switch-Budget, Spannungsabfall und Kabel-Empfehlung für IP-, PTZ- und Thermal-Kameras.
PoE-Bedarf & Switch-Dimensionierung
Praxisnaher Rechner für Hikvision, Dahua, Uniview, Axis – PTZ, Thermal & Heater berücksichtigt.
Spitzenlast je Kamera vs. am Endgerät verfügbare PoE-Leistung
Switch-Empfehlung
8-Port • PoE+ (802.3at)
Drei Werte, die ich bei jeder PoE-Planung auseinanderhalte
Leistung pro Port
Was ein einzelner Switch-Port nach seinem Standard maximal liefert (PSE-Leistung). Ein PoE+-Port liefert 30 W – aber nur an diesen einen Anschluss.
Gesamtbudget des Switches
Die Summe, die das Netzteil des Switches auf alle Ports verteilen kann. Ein 8-Port-PoE+-Switch mit 60 W Budget kann nicht acht Ports gleichzeitig mit 30 W versorgen.
Maximaler Kamerabedarf
Die Spitzenleistung der Kamera laut Datenblatt – nachts mit IR, im Winter mit Heizung, bei PTZ während der Motorbewegung. Dieser Wert muss am Endgerät ankommen.
| Standard | am Switch-Port (PSE) | garantiert an der Kamera (PD) | Adernpaare |
|---|---|---|---|
| 802.3af (PoE) | 15,4 W | 12,95 W | 2 |
| 802.3at (PoE+) | 30 W | 25,5 W | 2 |
| 802.3bt Typ 3 (PoE++) | 60 W | 51 W | 4 |
| 802.3bt Typ 4 | 90 W | 71,3 W | 4 |
Die Differenz ist der von der Norm eingeplante Verlust auf bis zu 100 m Kabel. Der Rechner vergleicht deshalb die Spitzenlast der Kamera mit der PD-Spalte, nicht mit der Portleistung. Herstellereigene Varianten wie „Hi-PoE“ können abweichen – dann zählt das Datenblatt.
Annahmen und Grenzen des Rechners
- Spitzenlast statt Durchschnitt: Das Budget rechnet mit der Summe aller Spitzenwerte. Das ist bewusst vorsichtig – in der Praxis laufen selten alle PTZ-Motoren und Heizungen gleichzeitig an, aber genau dann darf der Switch nicht abschalten.
- IR und Heizung: Die Betriebsmodi erhöhen den Durchschnittsverbrauch; eine Heizung addiert pauschal 5 W zur Spitze. Die Profilwerte sind Richtwerte je Kameratyp – tragen Sie, wenn vorhanden, die Werte aus dem Datenblatt Ihrer Kamera ein.
- Reserve: Auf die Spitzenlast kommt ein frei wählbarer Aufschlag (Standard 30 %). Er deckt Alterung des Netzteils, spätere Zusatzkameras und Messungenauigkeit ab.
- Spannungsabfall: Vereinfachtes Gleichstrommodell mit typischen Aderwiderständen (Cat5e 24 AWG, Cat6/6A 23 AWG). CCA-Kabel sind deutlich schlechter und nicht normkonform.
- Reichweite: Ein ausreichendes Wattbudget bedeutet nicht, dass eine Leitung länger als 100 m sein darf. Die 100 m sind eine Grenze der Ethernet-Übertragung, nicht der Stromversorgung. Darüber hinaus helfen ein näher platzierter Switch, ein PoE-Extender oder Glasfaser – mehr dazu in Überwachungskamera zu weit entfernt?
Drei Rechenbeispiele (Beispielwerte, keine Kundenprojekte)
A: Einfamilienhaus, 4 IR-Kameras
4 × IR-Bullet, je 12 W Spitze (PoE 802.3af), Cat6, 40 m.
Spitze: 4 × 12 W = 48 W · +30 % = 62 W.
12 W liegt knapp unter den 12,95 W an der Kamera – mit Heizung wäre af zu wenig, dann PoE+.
Spannungsabfall: 0,25 A × 2,6 Ω ≈ 0,7 V.
Ergebnis: 8-Port-PoE+-Switch mit mindestens 62 W Gesamtbudget.
B: Gewerbehof, 1 PTZ + 6 IR
PTZ mit 60 W Spitze (braucht 802.3bt Typ 4, da Typ 3 nur 51 W liefert), 6 × IR à 12 W.
Spitze: 60 + 72 = 132 W · +30 % = 172 W.
7 Ports + 25 % Reserve → 16-Port-Switch.
Ergebnis: 16 Ports, ≥ 172 W Budget und mindestens ein Port mit 90 W (oder ein separater Injektor für die PTZ).
C: Einfahrt in 120 m Entfernung
1 × IR-Kamera, 12 W, Cat5e. Rechnerisch: 0,25 A × 10,1 Ω ≈ 2,5 V Abfall – die Leistung würde also ankommen.
Trotzdem: nicht zulässig, weil 120 m über der 100-m-Grenze für Ethernet liegen.
Ergebnis: PoE-Extender auf halber Strecke oder Glasfaser mit Medienkonverter.
