
Reolink Argus PT Ultra oder YESYAMO 2K? Solar-Kamera Test 2026
Reolink Erste 4K Solar-Überwachungskamera gegen YESYAMO 2K Akku-Solarkamera mit 355°/90° Schwenk: Auflösung, WLAN-Bänder, Nachtsicht, Solar im Winter, Speicher ohne Abo, DSGVO und 5-Jahres-Kosten – mit klarer Kaufempfehlung aus der Praxis.
Zwei Solar-Schwenkkameras, zwei völlig unterschiedliche Preisklassen – und trotzdem stehen sie bei Amazon in derselben Suchergebnisliste. Die Reolink Argus PT Ultra mit echtem 4K und die YESYAMO 2K Akku-Solarkamera. Ich habe beide Bauarten in der Praxis montiert, und ich sage dir gleich: Die eine ist technisch klar überlegen, die andere ist trotzdem für manche Situationen die vernünftigere Entscheidung. Warum, erkläre ich hier ohne Marketing-Sprech.
Kurzantwort (TL;DR): Reolink Argus PT Ultra = 8 MP/4K, 355° Schwenk und 140° Neigung, 2,4 und 5 GHz WLAN, Spotlight plus Sirene, Personen-/Fahrzeug-/Tiererkennung, Solarpanel im Lieferumfang, kein Abo. YESYAMO 2K = 355°/90°, nur 2,4 GHz, PIR mit Personenerkennung, Farbnachtsicht mit Licht, Solarpanel dabei – und kostet rund ein Drittel. Wer Gesichter und Kennzeichen erkennen will, nimmt Reolink. Wer eine Ecke am Grundstück billig überwachen will, nimmt YESYAMO.

Reolink Argus PT Ultra vs YESYAMO 2K – die Vergleichstabelle 2026
Die Tabelle zeigt zwei Zeilen, die in der Praxis alles entscheiden: die Auflösung und das 5-GHz-WLAN. Alles andere ist bei beiden Kameras erstaunlich ähnlich – und beide verlangen kein Abo, was für mich ohnehin die Grundvoraussetzung ist.
Reolink Argus PT Ultra: was 4K in der Praxis wirklich bringt

8 MP klingt nach einer Zahl auf dem Karton. In der Realität ist es der Unterschied zwischen „da war jemand“ und „das war der Nachbar von gegenüber“. Bei einem Kunden mit rund 600 m² Grundstück hing die Kamera an der Garagenecke und deckte Einfahrt plus Hofzugang ab – Entfernung zum Tor etwa 12 Meter. Mit 4K konnte man auf dem Standbild das Gesicht der Person am Tor identifizieren. Mit einer 2K-Kamera an derselben Stelle wäre das eine Silhouette mit Jacke gewesen.
Der Grund ist Pixeldichte, nicht Zauberei: Faustregel aus der Praxis sind rund 250 Pixel pro Meter für eine Identifizierung. Bei 4K und typischem Bildwinkel erreichst du das auf etwa 8 bis 10 Meter Entfernung. Bei 2K schrumpft die Identifikationszone auf ungefähr 5 bis 6 Meter – danach reicht es nur noch zum Erkennen, dass sich überhaupt etwas bewegt. Wer das für sein Grundstück nachrechnen will, kann das mit meinem kostenlosen CCTV-Abdeckungsplaner tun.
Zweiter Punkt, den viele unterschätzen: 5 GHz. Die Argus PT Ultra funkt wahlweise auf 2,4 oder 5 GHz. In dicht bebauten Wohngebieten ist das 2,4-GHz-Band abends komplett zugemüllt – 30 Nachbar-Netze auf drei nutzbaren Kanälen. Genau dann ruckelt der Livestream einer 2,4-GHz-Kamera, während die Reolink auf 5 GHz sauber durchläuft. Nachteil: 5 GHz kommt schlechter durch Wände. Wenn der Router im Keller steht und die Kamera an der Hausrückseite hängt, bleibst du auch bei Reolink auf 2,4 GHz – dann verlierst du diesen Vorteil.
Die 140° Neigung sind der dritte, unspektakuläre aber wichtige Punkt. YESYAMO schafft 90°. Wenn die Kamera hoch unter der Dachkante sitzt, brauchst du den steilen Blickwinkel nach unten, sonst siehst du die Hauswand und nicht die Tür darunter.
YESYAMO 2K Solar: die ehrliche Einschätzung zur Budget-Kamera

Ich mag es nicht, Budget-Kameras pauschal schlechtzureden. Für das Geld macht die YESYAMO erstaunlich viel richtig: echter 2K-Sensor statt 1080p, 355° Schwenk, PIR mit Personenanalyse statt dumpfer Bewegungserkennung, Licht plus Sirene plus Sprachdurchsage zur Abschreckung, IP66 und ein Solarpanel mit 2 m Kabel – das Panel lässt sich also an einer sonnigeren Stelle montieren als die Kamera selbst. Das ist ein praktischer Vorteil, den teurere Modelle mit fest angebautem Panel nicht haben.
Wo sie ehrlich abfällt: Erstens der Sensor. 2K ist bei Tageslicht völlig in Ordnung, aber bei Dämmerung und Gegenlicht sieht man den Preisunterschied sofort – mehr Rauschen, weichere Kanten, Kennzeichen sind ab etwa fünf Metern nicht mehr lesbar. Zweitens das reine 2,4-GHz-WLAN: Wenn dein Router weit weg ist oder das Band voll ist, wirst du Verbindungsabbrüche haben. Drittens der geschlossene App-Kosmos ohne RTSP/ONVIF – die Kamera lebt in ihrer eigenen App, eine Einbindung in NVR, Home Assistant oder Synology ist nicht vorgesehen.
Und viertens ein Punkt, den man beim Kauf nicht sieht: Support und Firmware-Pflege. Reolink liefert seit Jahren regelmäßig Updates und hat einen erreichbaren Support. Bei No-Name- und OEM-Marken – die YESYAMO wird baugleich auch unter anderen Markennamen verkauft – ist das ein Glücksspiel. Für eine Kamera, die fünf Jahre draußen hängen soll, ist das kein Nebenaspekt.
Solar & Akku: hält das im deutschen Winter überhaupt durch?
Die häufigste Frage, die ich zu Solarkameras bekomme. Klare Antwort aus der Praxis: Ja – wenn du das Panel richtig ausrichtest. Beide Kameras kommen im Sommer mit zwei bis drei Stunden direkter Sonne pro Tag locker klar. Kritisch wird November bis Januar. Meine Regeln:
- Panel nach Süden ausrichten, Neigung 30 bis 45 Grad – nicht flach an die Wand schrauben.
- Kein Baum, kein Dachvorsprung, keine Satellitenschüssel im Schattenwurf – schon ein Teilschatten halbiert den Ertrag.
- Aufnahmen event-basiert statt dauerhaft: Empfindlichkeit und Erkennungszone so einstellen, dass die Kamera nicht bei jedem vorbeifahrenden Auto aufwacht.
- Nachtsicht mit Scheinwerfer zieht deutlich mehr Strom als Infrarot – bei Dauerbeleuchtung im Winter geht der Akku in die Knie.
- Bei Schnee: Panel gehört an eine Stelle, an der du im Winter ohne Leiter drankommst. Zugeschneites Panel = 0 Watt.
- Im Zweifel im Dezember einmal den Akku per USB-C nachladen – das ist normal und kein Defekt.
Der Reolink-Akku hat es wegen 4K und Dualband-WLAN im Grundsatz schwerer, gleicht das aber durch besseres Energiemanagement wieder aus. In der Praxis nehmen sich beide bei vernünftiger Konfiguration wenig – der Unterschied entsteht durch die Einstellungen, nicht durch die Marke.
Speicher ohne Abo: microSD richtig wählen
Beide Kameras speichern lokal auf microSD und beide verlangen kein Abo – das ist der wichtigste gemeinsame Pluspunkt gegenüber Ring, Arlo oder Nest. Aber: Eine normale Handy-Speicherkarte stirbt in einer Überwachungskamera innerhalb von Monaten. Kameras schreiben permanent in einem Ringpuffer, das ist der härteste Lastfall, den es für Flash-Speicher gibt.
- Immer eine High-Endurance-Karte nehmen (Samsung PRO Endurance, SanDisk MAX Endurance, Kingston High Endurance).
- YESYAMO: maximal 128 GB laut Hersteller – größere Karten werden nicht erkannt.
- Reolink Argus PT Ultra: 4K-Clips sind deutlich größer, hier lohnt die maximale unterstützte Kapazität.
- Karte in der Kamera formatieren, nicht am PC – sonst gibt es Dateisystem-Probleme.
- Einmal im Jahr eine Testaufnahme herunterladen. Eine defekte Karte merkst du sonst genau dann, wenn du das Video brauchst.
5-Jahres-Rechnung: was kostet welche Kamera wirklich?
Beide schlagen jedes Abo-System deutlich. Die eigentliche Frage lautet also nicht „teuer oder günstig“, sondern: Sind dir 110 € Aufpreis über fünf Jahre eine belastbare Identifizierung, stabileres WLAN und gepflegte Firmware wert? Für die Haustür und die Einfahrt sage ich klar ja. Für den Blick auf den Geräteschuppen hinten im Garten klar nein.
DSGVO: das gilt für beide Kameras
Egal welche Kamera du nimmst – rechtlich ändert sich nichts. Auf dem eigenen Grundstück darfst du filmen. Nicht gefilmt werden dürfen der öffentliche Gehweg, die Straße und das Nachbargrundstück. Der Schwenkbereich von 355° ist hier eine echte Falle: Was die Kamera schwenken kann, muss sie nicht dürfen. Beide Modelle bieten Privatzonen bzw. Erkennungszonen – nutze sie und beschränke den Schwenkbereich mechanisch durch die Montageposition.
Sobald Besucher, Handwerker oder Lieferdienste erfasst werden, brauchst du außerdem ein Hinweisschild nach Art. 13 DSGVO. Ein rechtskonformes Schild erstellst du in zwei Minuten mit meinem kostenlosen DSGVO-Hinweisschild-Generator. Was sonst noch gilt, habe ich in DSGVO-konforme Videoüberwachung in Deutschland ausführlich aufgeschrieben.
Speicher: die microSD-Karte entscheidet über die Lebensdauer
Beide Kameras zeichnen lokal auf microSD auf – und genau hier gehen die meisten Systeme kaputt, nicht an der Kamera. Eine normale Handy-Karte hält im Dauerschreibbetrieb selten länger als ein paar Monate. Nutze ausschließlich High-Endurance-Karten. Welche in der Praxis wirklich durchhalten, habe ich hier getestet: Top 5 microSD-Karten für Überwachungskameras 2026. Warum SanDisk High Endurance mein Standard ist, erkläre ich in microSD-Karte für die Überwachungskamera. Wenn du stattdessen auf einen Rekorder aufzeichnest, lies NVR vs DVR vs Cloud-Recorder: was Speicherung wirklich kostet.
Wie viel Speicher du überhaupt brauchst, rechnest du in 30 Sekunden mit meinem CCTV-Speicherplatzrechner aus – und wo die Kameras sinnvoll stehen, planst du mit dem CCTV-Abdeckungsplaner.
Meine Empfehlung nach Anwendungsfall
- Haustür, Einfahrt, Hofzugang – überall dort, wo du eine Person wiedererkennen musst: Reolink Argus PT Ultra.
- Volles 2,4-GHz-Band im Wohngebiet oder Router weit entfernt: Reolink wegen 5 GHz.
- Montage hoch unter der Dachkante mit steilem Blick nach unten: Reolink wegen 140° Neigung.
- Garten, Schuppen, Carport, Stellplatz – reine Anwesenheitsüberwachung: YESYAMO reicht völlig.
- Mehrere Kameras mit kleinem Budget: zwei YESYAMO an den Nebenbereichen plus eine Reolink an der Haustür – so mache ich das bei Kunden am häufigsten.
- Ferienhaus, Baustelle, temporäre Überwachung: YESYAMO, weil der Verlust im Schadensfall verschmerzbar ist.
Weitere Vergleiche und Anleitungen, die dazu passen
Wenn du noch zwischen Marken schwankst: Reolink oder EZVIZ im ehrlichen Vergleich, Reolink oder Imou – 4K Solar gegen 3 MP Cruiser, eufyCam C37 oder Reolink Argus PT Ultra, Reolink oder Aosu Solarkamera und Reolink oder Tapo.
Zur Einrichtung und zum Betrieb passen außerdem: Reolink WLAN-Kamera mit dem Handy verbinden (Fernzugriff), Reolink-Kameras auf zwei Handys steuern, Reolink Home Hub Mini + Argus PT Lite im Test und – falls eine Kamera mal ausfällt – Kamera offline: Ursachen finden und reparieren. Einen Überblick über abofreie Modelle gibt Überwachungskamera ohne Abo 2026.
Fazit: Reolink gewinnt technisch, YESYAMO gewinnt beim Preis
Die Reolink Argus PT Ultra ist die bessere Kamera – 4K, Dualband-WLAN, größerer Neigebereich, verlässliche Firmware. Wenn die Kamera einen Bereich absichern soll, in dem es im Ernstfall auf ein verwertbares Bild ankommt, gibt es aus meiner Sicht keine Diskussion. Die YESYAMO ist trotzdem kein Fehlkauf: Sie liefert für rund 60 € solide 2K-Bilder, Personenerkennung und lokalen Speicher ohne Abo – und ist damit jedem Cloud-Abo-Modell in derselben Preisklasse überlegen.
Wenn dir dieser Vergleich geholfen hat und du über einen meiner Amazon-Links kaufst: Danke dir wirklich. Für dich ändert sich am Preis nichts, aber ich kann davon die Testgeräte, die Serverkosten und die Zeit für solche Artikel finanzieren – und dieser Blog bleibt genau das, was er sein soll: unabhängig und ohne Verkaufsdruck.
Du bist unsicher, welche Variante zu deinem Grundstück passt? Schreib mir kurz, wo die Kamera hin soll und wie weit der Router entfernt ist – ich schaue mir das an.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Reolink Argus PT Ultra ihren Aufpreis gegenüber der YESYAMO wert?+
Für Haustür, Einfahrt und alle Bereiche, in denen du Personen identifizieren musst: ja. Die 8 MP Auflösung verdoppelt praktisch die Distanz, auf der ein Gesicht erkennbar bleibt, und das 5-GHz-WLAN sorgt in vollen Wohngebieten für einen stabilen Stream. Für reine Anwesenheitsüberwachung im Garten reicht die YESYAMO.
Funktioniert die YESYAMO 2K mit 5-GHz-WLAN?+
Nein. Die YESYAMO unterstützt ausschließlich 2,4 GHz. Falls dein Router ein gemeinsames Netz für beide Bänder nutzt, musst du für die Einrichtung eventuell das 5-GHz-Band kurz deaktivieren oder ein separates 2,4-GHz-Netz anlegen.
Brauche ich bei diesen Kameras ein Abo?+
Nein, bei keiner von beiden. Beide zeichnen lokal auf microSD auf – die YESYAMO bis 128 GB, die Reolink je nach Firmware mehr. Cloud-Speicher ist bei beiden optional und für den Betrieb nicht erforderlich.
Reicht das Solarpanel im deutschen Winter aus?+
In der Regel ja, wenn das Panel nach Süden zeigt, 30 bis 45 Grad geneigt ist und ganztägig schattenfrei bleibt. In sehr dunklen Dezemberwochen oder bei Schneebedeckung kann ein einmaliges Nachladen per USB-C nötig sein – das ist normal und kein Defekt.
Welche microSD-Karte soll ich verwenden?+
Ausschließlich High-Endurance-Karten wie Samsung PRO Endurance, SanDisk MAX Endurance oder Kingston High Endurance. Normale Karten sind für den permanenten Schreibbetrieb einer Kamera nicht ausgelegt und fallen oft schon nach wenigen Monaten aus.
Darf ich mit einer 355°-Schwenkkamera den Gehweg filmen?+
Nein. Öffentliche Wege, die Straße und Nachbargrundstücke dürfen nicht erfasst werden. Nutze Privat- und Erkennungszonen, begrenze den Schwenkbereich durch die Montageposition und bringe ein Hinweisschild nach Art. 13 DSGVO an.



